autismus Oberbayern, Vereinigung zur Förderung von autistischen Menschen

Die Autismus Spektrum Störungen

Merkmalsliste

A. Wahrnehmung

1. Ungewöhnliche Reaktionen auf Laute / Geräusche (z.B. Nichtreagieren auf sehr laute Töne, Sprache; Faszination durch Raschel-, Rauschtöne etc.; unerklärliche Angstreaktionen, überschießende Reaktionen auf bestimmte Laute.)

2. Für das jeweilige Kind typische Bevorzugung spezifischer Geräusche (z.B. Wasserrauschen, Haushaltsmaschinen, Motorgeräusche, Scheppern, Klopftöne, Musik.)

3. Für das jeweilige Kind typische Bevorzugung spezifischer optischer Reize (z.B. Nicht-reagieren auf Gesten, auffällige Reize, Faszination durch Glitzern, Flimmern, Reflexe, gleich-mäßige Objektbewegungen, Drehbewegungen runder Gegenstände, Blättern in Büchern, Puzzle, verschiedene Muster.)

4. Für das jeweilige Kind typische Bevorzugung spezifischer taktiler Reize (z.B. Kratzen, Schaben auf bestimmten Oberflächen.)

5. Vermeiden des Blickkontaktes (Augenschließen, Vorbeisehen bei Ausrichtung des Gesichts auf Personen/ Gegenstände, kein Fixieren, schweifender Blick; Tendenz, nur kurze Blicke auf Personen/Dinge zu werfen.)

6. Paradoxe Reaktionen auf Sinnesreize (z.B. Augen bedecken bei Geräuschen, Ohren zuhalten bei Lichtreizen.)

7. Intensives Beobachten stereotyper Bewegungen der eigenen Hände, Finger oder bevorzugter Gegenstände (z.B. Kabel, Bänder, Fäden, Lappen.)

8. Bevorzugung des Geruchssinnes (z.B. Schnüffeln an Personen/Dingen), des Geschmackssinnes (z.B. Ab-, Anlecken von Gegenständen) gegenüber Gesichts-/Gehörsinn.

9. Eindruck der Unempfindlichkeit gegenüber Schmerz-, Kälte-, Hitze- und unangenehmen Geschmacksreizen.

10. Ungewöhnliche oder sprunghaft wechselnde Reaktionen auf Berührungen (z.B. Ablehnen sanfter Berührungen, Umarmungen, Küsse; Bevorzugung heftiger, manchmal schmerzhafter Reize).

11. Neigung, sich selbst Schmerzen zuzufügen (z.B. Kopf gegen harte Gegenstände schlagen, in Augen/Ohren bohren, Wunden aufkratzen.)

B. Sprache

12. Kein Sprechen, stattdessen Ziehen, Reißen des Kommunikationspartners bei Willensäußerung (auch: fehlendes Sprachverständnis.)

13. Ein-Wort-Äußerungen statt Satz-/Textäußerungen.

14. Vorwiegender Gebrauch von Haupt-, Tätigkeitsworten, Schwierigkeiten bei Benutzung von Für-, Verhältnis-, Bindeworten: konkretistischer Sprachgebrauch.

15. Wörtliche Wiederholung von Fragen und Äußerungen des Kommunikationspartners (Echolalie).

16. Sprachliche Äußerungen häufig nicht der Situation angemessen. Ständiges Wiederholen bestimmter Redewendungen, Verbote, Sätze, Liedtexte (bei höherem Sprachniveau).

17. Wenig oder kein kommunikatives Sprechen (bei höherem Sprachniveau).

18. Bizarre Äußerungen, floskelhafte Sprache, Wortspiele, Wortverdrehungen, skurrile Neuschöpfungen, Schimpfen (bei höherem Sprachniveau).

19. Fehlende oder das Sprechen nicht unterstützende Gestik, Mimik (bei höherem Sprachniveau).

20. Auffälliges Sprechen: hohes, leises, sehr gleichartiges, schnelles, verwaschenes, singendes Sprechen.

21. Insgesamt größeres Sprachverständnis als aktive Sprachkompetenz.

22. Bedeutungs-/Informationsentnahme aus der Situation, in der gesprochen wird (weniger aus der Sprache selbst.)

23. Bedeutungsentnahme (Sinn) beim Verständnis von Sprachäußerungen vorwiegend über Haupt/ Tätigkeitsworte, Schwierigkeiten im Verständnis von Für-, Verhältnis-, Frage-, Bindeworten: konkretistisches Sprachverständnis.

24. Schwierigkeiten, Informationen/Bedeutungen aus Gesten, Mimik, Betonung zu entnehmen.

C. Motorische Kontrolle und autonome Funktionen

25. Stereotype, häufig ungewöhnliche Kopf-, Körper-, Arm-, Hand-, Finger-, Beinbewegungen, noch intensiver bei Erregung (Schaukeln, Hüpfen, Wedeln, Verdrehen von Gliedern, Zehengang etc.). Tendenz, maschinenhaft zu erscheinen.

26. Zwanghaftes Festhalten an bestimmten gleichartigen Handlungen (Rituale), starke Erregung, wenn diese unterbrochen werden.

27. Sehr hohes Erregungsniveau (exzessive Motorik, Stereotypien) oder sehr geringes Erregungsniveau (geringe Motorik, Apathie).

28. Unregelmäßige Schlafmuster (zu spätes Einschlafen, zu frühes Aufwachen, nächtelanges Wachsein).

29. Auffälliges Eß-/Trinkverhalten (absolute Bevorzugungen bzw. Ablehnung bestimmter Speisen/Getränke; Schlingen, Spucken, Nichtkauen).

30. Scheinbar fehlende Furcht vor wirklicher Gefahr bei gleichzeitiger großer Angst vor ungefährlichen Situationen.

D. Sozial-/Spielverhalten

31. Indifferentes Verhalten bei Anwesenheit von Personen (als wenn sie nicht da wären).

32. Ablehnung von Körperkontakt oder Bevorzugung bestimmter Berührungen (wollen allein-gelassen werden).

33. Kein Verständnis für die Gefühle anderer (paradoxe Reaktionen auf Gefühlsäußerungen).

34. Fehlende oder eingeschränkte Möglichkeiten, eigene Gefühle auszudrücken ("maskenhaft", starr, bizarr).

35. Unfähigkeit, mit Personen oder Gegenständen "normal" zu spielen und an Rollenspielen teilzunehmen.

36. Schwierigkeiten oder Unfähigkeit, Handlungen von Personen zu imitieren.

37. Stereotyper Umgang mit Gegenständen und Spielmaterial; Tendenz, unwichtigen Details die Aufmerksamkeit zuzuwenden, ohne die Bedeutung oder Funktion zu erkennen.

38. Mangel an Motivation etwas Neues zu erkunden oder zu tun. Stattdessen Verharren in stereotypen Abläufen oder Untätigkeit.

E. Spezielle Fertigkeiten

39. Fertigkeiten, die nicht mit sprachlichen Fähigkeiten zusammenhängen, z.B. musikalische Fähigkeiten, Rechnen, Auseinandernehmen und Verbinden von mechanischen Teilen, elektrischen Gegenständen, zusammensetzbarem Spielzeug.

40. Eine ungewöhnliche Gedächtnisform, die eine verlängerte Speicherung von Einzelheiten in der exakten Form, in der sie zuerst aufgenommen wurden, zu erlauben scheint (z.B. Sätze oder Teile von Unterhaltungen, Gedichte, Tabellen, Musikpassagen, den Weg zu einem bestimmten Ort, das Arrangement von Gegenständen, die einzelnen Stufen, die bei einer Routinehandlung befolgt werden müssen, ein kompliziertes visuelles Muster). Diese speziellen Fertigkeiten kontrastieren sehr stark mit den Defiziten, die autistische Menschen auf anderen Gebieten aufweisen.