autismus Oberbayern, Vereinigung zur Förderung von autistischen Menschen

Die Autismus Spektrum Störungen

Autismus aus wissenschaftlicher Sicht

Die Störungen des autistischen Spektrums werden in der ICD-10 und im DSM-IV unter dem Begriff "Tiefgreifende Entwicklungsstörungen ( F 84 )" bzw. "Pervasive Developmental Disorders ( 299 )" in die Gruppe der Entwicklungsstörungen eingeordnet.

Die ICD-10 beschreibt die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen folgendermaßen:

"Diese Gruppe von Störungen ist durch qualitative Beeinträchtigungen in gegenseitigen sozialen Interaktionen und Kommunikationsmustern sowie durch ein eingeschränktes stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert. Diese qualitativen Abweichungen sind in allen Situationen ein grundlegendes Funktionsmerkmal der betroffenen Person" (Remschmidt et al. 2006).

Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern

PD Dr. M. Noterdaeme

Übersicht

Die Kernsymptome der autistischen Störungen sind in im Kapitel F84 „tief greifende Entwicklungsstörungen“ der ICD-10 zusammengefasst. Um die Diagnose zu stellen, müssen Symptome aus den drei folgenden Kernbereichen vorhanden sein:

  • qualitative Beeinträchtigungen im Bereich der sozialen Interaktion (z. B. nonverbales Verhalten, Kontaktverhalten, Empathie, geteilte Freude, sozioemotionale Gegenseitigkeit)
  • qualititative Beeinträchtigung der Sprache und/oder Kommunikation (z. B. Verzögerung oder Ausbleiben der Sprachentwicklung, Störung der wechselseitigen Kommunikation, pedantische Sprache, fehlendes Verständnis sozialer Regeln in der Kommunikation)
  • eingeschränkte, sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten (z. B. motorische Stereotypien, sensorische Besonderheiten, spezielle Interessen, ungewöhnliche Beschäftigungen, Zwänge, Rituale)

Innerhalb der Gruppe der autistischen Störungen werden folgenden Subtypen unterschieden:

  • Der frühkindlicher Autismus (F84.0/Kanner Syndrom)
  • Der atypische Autismus (F84.1)
  • Das Asperger Syndrom (F84.5)

Die drei Subtypen werden unter „Autismus-Spektrum-Störungen“ zusammengefasst.
Der frühkindliche Autismus ist charakterisiert durch erhebliche Sprachentwicklungsstörungen und durch eine hohe Variabilität der kognitiven Entwicklung. Beim Asperger Syndrom liegen definitionsgemäß keine Sprachentwicklungsverzögerung und kein kognitiver Entwicklungsrückstand vor. Für alle Subtypen gilt, dass die Störung früh beginnt (vor dem 36. Lebensmonat) und einen stetigen Verlauf zeigt.

Autismus ist nicht heilbar. Je früher die Therapie beginnt und je intensiver die Förderung der Kinder durchgeführt wird, desto besser können Kompensationsstrategien aufgebaut werden.

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Autismus im Erwachsenenalter: Diagnostische und therapeutische Besonderheiten

Prof. Dr. med. Matthias Dose
Ärztlicher Direktor, Isar-Amper-Klinikum gemeinnützige GmbH, Klinik Taufkirchen

Übersicht

Die Diagnose eines frühkindlichen Autismus wird i.d.R. bereits im Kindesalter gestellt. Beim Asperger-Syndrom stellt sich die Frage der diagnostischen Zuordnung häufiger erst im Erwachsenenalter, weil bestehende Auffälligkeiten entweder nicht richtig diagnostiziert oder aber (weil weniger beeinträchtigend) nicht als Symptome einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung bewertet wurden.

Bei autistischen Menschen mit Kanner-Syndrom oder atypischen Autismus werden im Erwachsenenalter i.d.R. therapeutische Hilfen für die betroffenen Menschen gesucht, weil Auffälligkeiten wie Unruhezustände, Aggressionen und Autoaggressionen für den autistischen Menschen und für die mit ihm zusammenlebenden Menschen sehr starke Beeinträchtigungen mit sich bringen. Durch medikamentöse Therapien und verhaltenstherapeutische Programme – obwohl autistische Störungen nicht „heilbar“ sind – sind erhebliche Verbesserungen der Lebensqualität möglich.

Bei der Frage, ob es sich beim erwachsenen Ratsuchenden um einen Menschen mit Asperger-Syndrom handelt, muss (möglichst von erfahrenen Fachleuten) zunächst gründlich die Vorgeschichte, möglichst unter Einbeziehung von Angaben aus dem familiären und sozialen Umfeld, geklärt werden. „Selbsttests“ wie sie im Internet angeboten werden, können zwar Hinweise, nicht aber eine sichere Diagnose leisten. Differenzialdiagnostisch muss vor allem geklärt werden, ob die Probleme der „sozialen Interaktion und Kommunikation“ tatsächlich dem Asperger-Syndrom oder einer anderen psychischen Störung, z.B. einer schizotypen oder schizophren Störung, einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung oder einer Zwangsstörung zuzuordnen sind.

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